Damit’s schneller durch die Stadt geht

Einsatzfahrzeug am Rathaus dient den Helfern als Shuttle-Transport

SBI M. Grau mit K. Fink vor dem VW Bus

Wer hin und wieder Verwaltungsangelegenheiten im Usinger Rathaus zu erledigen hat, der wird sich sicher schon einmal die Frage gestellt haben, wieso in der Pfarrgasse Tag und Nacht ein Feuerwehrauto parkt. Wohnt dort in der Nachbarschaft vielleicht der Stadtbrandinspektor, oder gibt es rund um die Uhr Dienstbesprechungen zwischen Brandschützern und Bürgermeister? Keines von beidem: Das Fahrzeug ist ganz einfach deshalb dort geparkt, damit Einsatzkräfte der Usinger Wehr, die entweder bei der Stadtverwaltung oder in deren unmittelbaren Nachbarschaft arbeiten, tagsüber schnell den Stützpunkt in der Weilburger Straße erreichen können.

WhatsApp-Gruppe

Weil viele ehrenamtliche Feuerwehrleute außerhalb der Stadt arbeiten, kommt es an Werktagen besonders auf die Helfer an, die vor Ort sind und schnell zur Hilfe eilen können. Im Rathaus zählen neben Stadtkämmerer Sebastian Knull auch Ramona Jänisch und Sascha Herr dazu. Alle drei verständigen sich über eine WhatsApp-Gruppe beim Alarm, wer im Haus ist und den Bustransfer nutzen will. Auch Jan Schütrumpf von der Volksbank und Konstantin Fink, der bei der Naspa arbeitet und in Dietenhausen als Wehrführer fungiert, verstärken während ihrer Arbeitszeit die Usinger Feuerwehr. Sie melden sich ebenfalls kurz übers Smartphone und laufen dann hinüber zum Rathaus. „Mit Blaulicht und Signalhorn kommen wir zügig und relativ sicher durch die Stadt, egal wie dicht gerade der Verkehr ist“, macht Sebastian Knull deutlich. Für ihn ist der Feuerwehrbus am Rathaus eine „volle Erfolgsgeschichte“. Auf Knulls Schreibtisch sind die Fahrzeugschlüssel des Shuttle-Fahrzeuges deponiert. „Besonders während der Rush Hour haben die Einsatzkräfte der Feuerwehr große Schwierigkeiten, mit ihrem Privatauto das Feuerwehrhaus zu erreichen. Und bei vielen Einsätzen kommt es auf Minuten an“, gibt Usingens Stadtbrandinspektor Michael Grau zu bedenken. In Hessen gilt eine gesetzliche Rettungsfrist von zehn Minuten. Soll heißen: innerhalb dieses Zeitfensters muss nach Alarmierung ein erstes Rettungs- oder Feuerwehrfahrzeug an der Einsatzstelle eintreffen. Seit etwa eineinhalb Jahren steht das Feuerwehrauto den Einsatzkräften am Rathaus zur Verfügung. Seitdem haben sich die Ausrück-Zeiten der Feuerwehr wesentlich verbessert. Denn auch Gerätewart Sven Blecher, der im Stützpunkt arbeitet, erkennt über die WhatsApp-Gruppe, wie viele Helfer auf dem Weg zur Unterkunft sind. So kann er bei Bedarf schon frühzeitig weitere Feuerwehren durch die Leitstelle alarmieren lassen. Doch nicht nur die Kräfte der Stadtverwaltung und der beiden Banken stellen die Tageseinsatzstärke sicher. Auch vom Bauhof und einzelnen Gewerbebetrieben eilen Feuerwehrleute herbei, die in der Regel ehrenamtlich an ihrem Wohnort Einsatzdienst leisten. Insgesamt kommen so zehn Männer und Frauen zusammen, die die Sicherheit der Bürger tagsüber garantieren. Natürlich eilen auch die freiwilligen Helfer der Feuerwehr zum Stützpunkt, wenn sie denn gerade Urlaub oder Dienstfrei haben und zu Hause sind. Rund 150 Einsätze musste die Usinger Feuerwehr in 2017 abarbeiten. Darunter waren viele, die im Zeitraum zwischen 8 Uhr morgens und 16 Uhr nachmittags anfielen. „Ohne die Unterstützung der externen Tageskräfte hätte es da manchmal personell ziemlich knapp ausgesehen“, sagt Feuerwehrchef Grau.

Positives Fazit

Er hat nach Rücksprache mit dem Bürgermeister den Einsatzbus am Rathaus stationiert. Grau: „In einer einjährigen Projektphase haben wir getestet, wie sich das Einsatzfahrzeug auf die Anzahl der Helfer und die Ausrück-Zeiten auswirkt. Nach dem positiven Fazit stand schnell fest: der Bus bleibt dauerhaft.“ Allerdings ist das Fahrzeug mittlerweile über 25 Jahre alt. Damit steigt die Anfälligkeit für Reparaturen. Deshalb hat der Stadtbrandinspektor im neuen Haushalt Gelder für ein gut gebrauchtes Ersatzfahrzeug einstellen lassen. Im neuen Jahr wird sich die Situation im Bereich der Tageseinsatzstärke weiter verbessern, kündigt Michael Grau an. Drei Mitarbeiter der Firma Jarltech, allesamt ausgebildete und erfahrene Feuerwehrleute, werden die Feuerwehr tagsüber verstärken. Das Unternehmen hat bereits seine Zustimmung gegeben, dass die Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz zu diesem Zweck verlassen dürfen. „In den nächsten Tagen werden wir die neuen Helfer einkleiden und auf unseren Einsatzfahrzeugen unterweisen“, sagt Grau, der sich über das Engagement der Helfer und des Unternehmens freut.