Vorstellung des 20. LZ HG
In der Stadtfeuerwehr sind Sie meistens recht gut bekannt, die Männer der Katastrophenschutzeinheit der Usinger Wehr. Doch in der Öffentlichkeit wird sich so mancher jetzt fragen: Für was sind die denn da? Wo kommen die her? Und: Reicht die normale Feuerwehr da nicht aus? Mit Sicherheit berechtigte Fragen, die hoffentlich am Ende dieses Artikels geklärt sein dürften.
Im Schnitt besteht der 20. LZ HG aus ca. 15-20 Mitgliedern, welche in allen Stadtteilen verstreut zu Hause sind. Das besondere an diesen Feuerwehrangehörigen ist, dass sie sich nicht für den Wehrdienst, sondern für den insgesamt sechs Jahre dauernden Ersatzdienst in einer Katastrophenschutzeinheit entschieden haben. Nachdem sich ein Feuerwehrmann als Helfer im KatS verpflichtet hat, muss er sechs Jahre lang alljährlich 70 Stunden durch angesetzte KatS-Übungen und 70 Stunden durch allgemeine Feuerwehrarbeit erbringen. Ein großer Vorteil ist der Erhalt des normalen Arbeitsalltages, da die KatS-Übungen in der Regel Abends oder an Wochenenden stattfinden.
Und das, obwohl der Arbeitgeber verpflichtet wäre, den KatS-Helfer für Übungen, die in seine Arbeitszeit fallen, freizustellen. Unter allgemeiner Feuerwehrarbeit versteht man Pflege- und Wartungsarbeiten am Gerätehaus, sowie Mitarbeit bei der Aus - und Fortbildung, um nur einige Beispiele zu nennen. Doch wie kommt man nun zu einer KatS-Einheit der Feuerwehr? Voraussetzung ist mindestens ein Jahr aktive Mitgliedschaft in einer Freiwilligen Feuerwehr vor der Verpflichtung sowie die körperliche und geistige Eignung, welche durch einen Arbeitsmediziner festgestellt wird.
Wer glaubt, den vorgeschriebenen Pflichten nicht nachkommen zu müssen, wird schnell durch Disziplinarmaßnahmen wie Bußgelder oder sogar der Rückmeldung zum Kreiswehrersatzamt eines Besseren belehrt. Von Drückebergern oder Faulenzern kann aber beim 20. LZ HG sowieso nicht die Rede sein, von den Mitgliedern besitzen einige Helfer die Ausbildung zum Gruppenführer und Zugführer. Ferner sind einige der Verpflichteten in der Jugendausbildung bei der Jugendfeuerwehr tätig.
Eine militärische Hierarchie wird man im 20. LZ HG vergeblich suchen. Hand in Hand wird hier gearbeitet. Was der eine nicht weiß, bekommt er vom anderen beigebracht. Kameradschaft wird hier groß geschrieben, was man auch an der einmal jährlich stattfindenden 28-Stunden-Übung mit Nachtlager beobachten kann.
Bei den KatS-Übungen wird auch bewusst auf komplizierte und nicht alltägliche Dinge eingegangen, da der eigentliche Sinn einer KatS-Einheit, die es übrigens auch bei anderen Organisationen gibt, der Einsatz im Katastrophenfall ist. Von diesem geht man dann aus, wenn eine Schadenslage so groß ist, dass Leben, Gesundheit und Versorgung von Bevölkerung und Tieren oder Sachwerten in ungewöhnlichem Maße beeinträchtigt sind.
Ob es nun sinnvoll ist, KatS-Züge in der jetzigen Form beizubehalten, soll jeder für sich selbst entscheiden. Finanziell und materiell mussten die Einheiten in den letzten Jahren jedenfalls einige Tiefschläge einstecken. Leider sieht man aber letztendlich an Ereignissen wie dem ICE-Unglück in Eschede, dem Oder-Hochwasser, der Maul- und Klauenseuche und den Folgen des 11. Septembers 2001 dass auch in Zukunft nicht auf einen erweiterten Katastrophenschutz verzichtet werden kann. Besonders sei hier noch zu erwähnen, dass KatS-Fahrzeuge, welche ja aus Landesmitteln finanziert wurden, auch im normalen Feuerwehralltag der örtlichen Feuerwehr genutzt werden und so eine zusätzliche materielle Verstärkung darstellen.
Leider bleiben die Unterhaltungskosten für die Fahrzeuge seit einiger Zeit am Landkreis und den Kommunen hängen, da sich Bund und Land immer mehr aus dem Katastrophenschutz zurückziehen. In Zeiten leerer Stadtkassen bleibt da nur noch eine trübe Aussicht für die Zukunft des KatS. In Eschede wurde übrigens ca. eine halbe Stunde nach Ausrufen des Katastrophenfalles durch den Bürgermeister, selbiger von der nächst höheren Regierungsstelle wieder zurückgezogen - vermutlich aus finanziellen Gründen. Im Katastrophenfall muss das Land die Finanzierung des Einsatzes übernehmen.
Text von Carlos Weidner im Rahmen eines Zeitungsartikels
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