Er findet den "richtigen Draht" zu den Kindern

Usinger Feuerwehr ernennt Dieter Knull zum Ehrenmitglied - Seit Freitagabend haben die Brandschützer der Buchfinkenstadt ein neues Ehrenmitglied: Löschmeister a.D. Dieter Knull (der UA berichtete). Wobei man das "a.D." (außer Dienst) auf keinen Fall wörtlich nehmen darf. Zwar hat der erfahrene Feuerwehrmann vor sechs Jahren altersbedingt seinen Einsatzdienst quittiert, doch an Feuerwehr-Ruhestand denkt der 66-Jährige noch lange nicht.

Für seine Schützlinge in der Helmut-Schmidt-Schule schlüpft Dieter Knull auch mit 66 Jahren gerne noch in die Einsatzkleidung. Foto Seifert

Seit einigen Monaten läuft in der Helmut-Schmidt-Schule das Modellprojekt "Mehr Feuerwehr in die Schule". Allwöchentlich gehört eine Unterrichtsstunde der "Feuerwehr-AG". Achtzehn Kinder beschäftigen sich dann mit den Themen Brandschutz und Feuerwehrarbeit. Usingens Stadtbrandinspektor Michael Grau, der als Projektkoordinator hessenweit das Modellprojekt "Mehr Feuerwehr in die Schule" betreut, hatte für die Usinger Schule gleich ein Auge auf Knull geworfen. Schließlich ist der Brandschützer dort kein Unbekannter. Als Hausmeister kümmerte er sich rund 30 Jahre um die Technik und Sauberkeit der einstigen Konrad-Lorenz-Schule in der Pestalozzistraße, die am heutigen Standort zur Helmut-Schmidt-Schule umbenannt worden ist. Knull sieht eine seiner persönlichen Stärken in der direkten Kommunikation, was ihn bei Lehrern und Schülern gleichermaßen beliebt gemacht hat. Wenn er freitags nun wieder in seine alte Einsatzkleidung schlüpft, um die Jungen und Mädchen aus der 5. Klasse für das Thema Feuerwehr zu begeistern, kann er die direkte Kommunikation voll und ganz ausleben. Unterstützt wird er dabei von zwei weiteren Feuerwehrkameraden, die sich für das Projekt gemeldet haben. "Die Arbeit mit den Kindern macht mir wahnsinnig viel Spaß. Und sie fordert mich heraus. Schließlich muss auch ich mir die Themeninhalte erst wieder ins Gedächtnis rufen", macht Knull deutlich.

Seine Feuerwehrkarriere hat er vor 50 Jahren gestartet. "Das war 1968, eine Jugendfeuerwehr, so wie wir sie heute kennen, gab es noch nicht. Als Jugendliche sind wir im Einsatzdienst einfach so "mitgelaufen" und haben mit den erfahrenen Feuerwehrmännern geübt", zeichnet Dieter Knull die Anfänge nach. Bei der Bundeswehr hat er dann seinen LKW-Führerschein gemacht und durfte fortan auch die großen Löschfahrzeuge zur Einsatzstelle fahren. Als man 1975 endlich auch in Usingen eine Jugendfeuerwehr ins Leben rief, stand Knull als Jugendbetreuer gleich auf der Matte und übernahm ein Weile die Ausbildung der 12-15-Jährigen.

Erfahrungen

Aus seinen Anfangsjahren bei der Feuerwehr haben sich zwei Einsätze ganz besonders in sein Gedächtnis eingeprägt: In Waldems mussten die Brandschützer einen kompletten Heustock aus einer Scheue abtragen, weil das frische Heu im Inneren zu kokeln begann. "Bei Temperaturen um die 30 Grad haben wir den kompletten Heustock abgetragen. Von innen heraus stieg uns der Brandgeruch schon kräftig in die Nase. Kaum auszudenken, was passiert wäre, wenn uns der Landwirt nicht rechtzeitig gerufen hätte", konstatiert der Feuerwehrmann. Seine zweite prägende Erfahrung machte er bei einem Verkehrsunfall im nahen Usatal. "Das muss so 1972 gewesen sein. Ein PKW war gegen einen Baum geprallt und in Brand geraten. Während der Beifahrer aus dem Wagen geschleudert wurde und schwer verletzt überlebte, kam für den Fahrer jede Hilfe zu spät. Er war im Wagen eingeklemmt und verbrannte", erinnert sich Dieter Knull.

Dass er auch mit 66 Jahren immer noch junge Menschen für die ehrenamtliche Arbeit bei der Feuerwehr begeistern kann, weil er einfach den "richtigen Draht" zu ihnen findet, macht ihn stolz und zufrieden. Aber dass er nun Ehrenmitglied sein soll, kann er noch gar nicht fassen.