Feuerwehren sorgen für frisches Trinkwasser

Hochtaunuskreis investiert 75000 Euro für mobile Versorgung - Zugegeben, beim Begriff Feuerwehr denkt man eher an Löschwasser und weniger an kostbares Trinkwasser. Doch weit gefehlt: Im Notfall müssen die Brandschützer auch eine flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser sicherstellen.

Sydney Raschig (v.l.), Sascha Herr und Björn Horn von der Feuerwehr Grävenwiesbach bauen eine Zapfstelle für die mobile Wasserversorgung auf.

Wolfgang Reuber (r.) vom Brandschutzamt betreut für den Hochtaunuskreis das Projekt.

Nach jedem Einsatz müssen aus hygienischen Gründen die Innenfolien der Behälter ausgetauscht werden.

Für den Transport in die Haushalte stellt Michael Walter die kleinen Plastikbeutel vor.

Für den Transport und die Einlagerung bei den Wehren werden alle Teile zerlegt. Fotos: Seifert

Fällt beispielsweise für einen längeren Zeitraum der Strom aus, dann können die Wasserversorger über ihre Pumpen kein Trinkwasser ins Leitungsnetz einspeisen. Im Usinger Land sind sämtliche Pumpstationen nicht mit einer Notstromversorgung ausgestattet. Und auch im übrigen Kreisgebiet gibt es Einschränkungen. Denkbar sind aber auch Hackerangriffe auf das Computernetz eines Versorgers oder Verschmutzungen eines Wasserspeichers. Der Hochtaunuskreis als Träger des Katastrophenschutzes investiert deshalb rund 75000 Euro in ein Wassernotversorgungskonzept. Dazu gehören mobile Wasserbehälter samt Zubehör, die im Rahmen einer Auftaktübung am Samstagvormittag an fünf Feuerwehren im Kreis übergeben worden sind. Rund 30 Einsatzkräfte aus Friedrichsdorf, Grävenwiesbach, Königstein, Neu-Anspach und Schmitten wurden von Markus Walter von der Firma Triwa-Technik mit dem Aufbau, der Ausstattung und der Handhabung der neuen Behälter vertraut gemacht. Bei den fünf Feuerwehren sind die neuen Klappbehälter untergebracht. "Und von dort werden sie bei Bedarf zum Einsatz kommen", erklärte Wolfgang Reuber vom Brandschutzamt des Hochtaunuskreises, der das Projekt federführend betreut.

Hygienestandards

Hätte man in früheren Jahren in vergleichbaren Situationen einfach das Wasser aus den Tanks der Löschfahrzeuge an die Bevölkerung verteilt, so gelten heute wesentlich höhere Hygieneanforderungen. Die Klappbehälter müssen im Einsatzfall zunächst mit einer Innenfolie ausgestattet werden. Im Behälter ordentlich gespannt, können die Folien dann mit bis zu 1040 Liter Trinkwasser gefüllt werden. Passende Armaturen, Schläuche und Zapfstellen ergänzen das Equipment. Im Versorgungsfall bauen die Feuerwehrleute die Zapfstelle an einem festen Punkt auf. Die Wasserbehälter verbleiben auf einem Fahrzeug und werden bei Bedarf nachgefüllt. Ein Transportsatz, bestehend aus zwei Behältern mit Zubehör kostet rund 5000 Euro. Die Innenfolie der Wasserbehälter wird nach jedem Einsatz erneuert. "Die komplette Versorgung über die mobilen Behälter muss hygienisch einwandfrei funktionieren. Keime und Bakterien im Wasser könnten für die Verbraucher schwere gesundheitliche Folgen haben" machte Markus Walter den Feuerwehrleuten deutlich. Allerdings bleibt am Ende der Versorgungskette eine gewisse Verantwortung auch beim Verbraucher hängen. "Mit einer Gießkanne aus dem Garten, mit der man zuvor Düngemittel ausgebracht hat, sollte man sich kein Trinkwasser an der Zapfstelle holen", gab Walter schmunzelnd zu bedenken. Und für all diejenigen, die keine Kannen oder Eimer zur Verfügung haben, halten die Brandschützer kleine Plastikbeutel parat. Sie fassen jeweils viereinhalb Liter Wasser, haben einen Schraubverschluss und sind gesundheitlich völlig unbedenklich. Mit Blick auf die Sicherheit der Bevölkerung ist auch für Landrat Ulrich Krebs das Geld für das Wassernotversorgungskonzept gut investiert. "Mit den neuen Wassertransportbehältern sind wir auf dem neuesten Stand der Technik und auf den Notfall gut vorbereitet", schreibt der Kreischef in einer Stellungnahme und dankt dabei gleichzeitig den Feuerwehren für die Übernahme dieser Aufgabe.