Feuerwehr der Stadt Usingen bildet sich zum Thema Vegetationsbrandbekämpfung fort

Weniger Wassereinsatz, aber mehr Handarbeit gefordert

Lange Zeit spielte die Brandbekämpfung von Wald- und Flächenbranden keine besondere Rolle im Ausbildungsplan der Feuerwehren. Meist gab es nur kleinere Brände, die dann mit viel Wasser „erschlagen“ wurden. Einzelne Großbrände, wie den Brand der Lüneburger Heide im August 1975 waren selten. Doch in den letzten Jahren wandelt sich die Ansicht mit fortschreitendem Klimawandel. Es gibt mehr Brände, größere Brände und private Hilfsorganisationen, die sich intensiv mit dem Thema beschäftigen und als Ziel haben, die Ausbildungslücke der öffentlichen Feuerwehren zu schließen. Auch die Technik wandelt sich. So hat der Fachausschuss Technik im Deutschen Feuerwehrverband im Januar 2020 ein Pflichtenheft für ein spezielles Waldbrand-Tanklöschfahrzeug nach südeuropäischem Vorbild erarbeitet.

Am 08. August fand in Usingen eine Fortbildung zum Thema unter Leitung eines externen Ausbilders statt. Nach einer Theorieeinheit im Lehrsaal der Feuerwehr ging es an die praktische Einweisung des speziellen Handwerkszeuges zur Vegetationsbrandbekämpfung. Handwerkzeug? Ja, denn mit steigender Brandfläche kann bei gleichzeitiger Wasserknappheit nicht unendlich viel Wassernachschub herbeigebracht werden. Zudem sind Einheiten zu Fuß flexibel und in unwegsamen Geländen einsetzbar. Fahrzeuge, die hauptsächlich für die Stadt konzipiert wurden, kommen in Wald und Feld schnell an ihre Grenzen.

Daher ist ein optimales Zusammenspiel erforderlich. Einsatzkräfte verhindern mit Handwerkzeug und geringen Wassermengen die Ausbreitung durch die Anlage von sogenannten Wundstreifen oder löschen den Flammensaum bei geringer Flammenhöhe sogar direkt ab und größere Tanklöschfahrzeuge bringen den Löschmittelnachschub. Ist die Ausbreitung gestoppt, kann die Fläche endgültig abgelöscht werden. Mit Wärmebildkameras und dem Handwerkzeug werden Glutnester gefunden und aufgebrochen.

Die Vorgehensweise wurde zum Abschluss des Übungstages auf einem Stoppelacker praxisnah mit echtem Feuer geübt. Jeder der 30 Teilnehmer konnte noch einmal die Gerätschaften einsetzen und miteinander vergleichen. Die frisch geschulten Teilnehmer geben ihr Wissen nun als Multiplikatoren an die restlichen Einsatzkräfte weiter. Eine Bestellung zur Beschaffung von speziellem Handwerkzeug und Löschrucksäcken ist bereits aufgegeben worden, sodass bald alle Stadtteilfeuerwehren in der Lage sind schnell, effektiv und mit wenig Wassereinsatz Vegetationsbrände zu bekämpfen.

 

Bilder & Rechte by S. Zuyev, FF Usingen